Vier neue Kyudoka auf dem Weg des Bogens

Bei der Kyudo-Prüfung in Erlangen am Sonntag, den 13. September 2026, traten sieben Prüflinge an. Vier von ihnen haben Kyudo in Schweitenkirchen erlernt und geübt. Für alle war es die erste Kyudo-Prüfung, die Prüfung zum 5. Kyu. Alle bestanden und dürfen sich nun Kyudoka nennen. Kevin Russ hatte erst drei Monate zuvor mit dem Training begonnen. Dank seiner Vorerfahrung im freien Bogenschießen und als Aikido-Trainer in München eignete er sich die geforderten Körperhaltungen (Hassetsu) in kürzester Zeit an. Helena Polster aus Sünzhausen ist mit 14 Jahren eine der beiden jüngsten Kyudoka in Deutschland. Laura Reich kommt aus Landshut zum Training und praktiziert dort auch Iaido. Dr. Robert Gastpar aus Güntersdorf erlebte Kyudo erstmals in Japan und lernt inzwischen auch Japanisch. Alle vier haben nun ihren Weg als Kyudoka begonnen: den „Do“ (= Weg) des „Kyu“ (= Bogen).

Hintere Reihe links: Kevin Russ und Dr. Robert Gastpar. Hintere Reihe rechts: Helena Polster und Laura Reich. Vorne Mitte: Prüfer Stefan Brendel (5. Dan Kyudo).

Kyudo verbindet Konzentration, Körperhaltung und innere Ruhe. Wer diesen japanischen Weg des Bogens kennenlernen möchte, findet im Training in Schweitenkirchen einen lebendigen Einstieg – vom ersten Probetraining bis zur ersten bestandenen Prüfung.

Ein ehemaliger Präsident des Bayerischen Kyudo sagt, er hätte durch das Praktizieren von Kyudo so viel über sich selbst erfahren wie nirgendwo sonst, weswegen Kyudo das Beste sei, was ihm in seinem Leben passiert sei. Was erwartet den Kyudoka nun auf seinem Weg?

Wie der spirituelle Wanderweg nach Santiago de Compostela so ist auch der Weg des Bogens ein Weg der Selbsterfahrung. Man erlebt an sich selbst die Anstrengung, ein Ziel zu erreichen und findet sich damit konfrontiert, seinen Körper dahinzuführen, das zu schaffen, wobei es so weit egal ist, ob die Pflaster auf die Füße geklebt werden oder an Daumen und Unterarm. Man begegnet anderen, die auf demselben Weg sind und stellt fest, dass jeder sein Kreuz zu tragen hat, dass es auf demselben Weg nicht nur vergleichbare sondern auch sehr unterschiedliche Probleme gibt. Wie in der Schule, auf der Uni und in den Firmen erlebt man, dass es andere gibt, mit denen man sich besser oder weniger gut versteht.

Kyudo bietet hier einen Selbsterfahrungsweg mit der an sich einfach erscheinenden Aufgabe des Bogenschießens an, welche sich einerseits mit Bewertungen ästhetisch qualifizieren und anderseits durch die Treffer auch metrisch gut objektivieren und quantifizieren lässt. Das Erleben der Schwierigkeiten beim Erlernen und beim Erstreben eines Ziels, das Erleben von Erfolg und Misserfolg geschieht auf vielen anderen Wegen auch, bei Kyudo aber tritt es unmittelbarer und spürbarer hervor, die Gefühlserfahrung ist unmittelbar und replizierbar, womit so aber auch ein seelisches Wachstum schneller und direkter erfolgen und zum Beispiel Gelassenheit unmittelbarer gewonnen werden kann. Ästhetisch und metrisch perfektes Kyudo ist äußerts schwierig zu erreichen, stets zu treffen ist äußerst schwierig, der mögliche Weg damit sehr lang. Körperlich ist ein hohes Maß an Körpergefühl und Körperkontrolle nötig, geistig an Ruhe, Aufmerksamkeit, und Konzentration, seelisch an Belastbarkeit und Unbeirrbarkeit.